
Alle, die beruflich mit Menschen arbeiten, haben irgendwann bereits die
Erfahrung gemacht, dass die Prozesse, die sie begleiten, ins Stocken geraten,
oft ohne ersichtliche Ursache. Wenn man das auf einen Mangel an eigener
Kompetenz schiebt, wird man vielleicht versuchen, die problematischen
Bereiche zu vermeiden.
Grund für derartige Probleme ist aber nicht unbedingt mangelnde Kompetenz
(hier wäre ein Coaching empfehlenswert), sondern, dass - an bestimmten
Punkten und bei bestimmten Themen - bestimmte innere Anteile des Beraters/Therapeuten
angesprochen und berührt werden, empfindliche Stellen aus seiner
eigenen Biographie. Dann ist der Berater in persönliche Probleme
involviert, und mit der Aufmerksamkeit nicht mehr beim Klienten, sondern
innerlich damit beschäftigt, mit seiner eigenen inneren Not umzugehen.
Man wird in gewisser Weise betriebsblind für das Problem seines Klienten,
weil man in sein eigenes verstrickt ist. In solchen Fällen braucht
man eine Supervision.
Grundsätzlich ist es empfehlenswert, regelmäßig Supervisionstermine
zu haben, z.B. in Balintgruppen oder anderen Peer-Groups, in denen Berufskollegen
sich gegenseitig supervidieren.
In bestimmten Fällen kann es erforderlich sein, darüber hinaus
einen externen Supervisor aufzusuchen. Handelt es sich beim Supervidierten
um einen Therapeuten, dann ist es oft hilfreich, wenn der Supervisor ein
anderes Heilverfahren anwendet als der Supervidierte. Das erleichtert
es beiden, sich von der Technik zu lösen, und auf die persönlichen
Prozesse des Supervidierten zu achten.
